Lebensraumschutz

Brutwände für den Eisvogel

Aurel Ruppert24.03.2025
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Eisvögel sind faszinierende Tiere, doch ihr Lebensraum ist zunehmend gefährdet. Als Fischfresser ist er ausnahmslos an Gewässer gebunden, die spezifische Bedingungen erfüllen müssen. Um ausreichend Nahrung zu finden, benötigen sie einen reichen Bestand an kleinen Fischen sowie geeignete Versteckmöglichkeiten. Am ausschlaggebendsten für seine Brut ist jedoch das Vorhandensein von Steilwänden, welche sich durch Mäandrieren eines Flusses bilden. In diese Wände gräbt sich der Eisvogel seine circa ein Meter lange Bruthöhle. Bei regulierten bzw. hart verbauten Flüssen und Bächen besteht die Möglichkeit der Bildung von Steilwänden nicht, weshalb eine Brut erschwert bis unmöglich ist. Aufgrund dieser Anforderungen an seinen Lebensraum ist der Eisvogel nur an naturnahen Gewässern zu finden und dient daher als Indikator für intakte Fluss-Ökosysteme.

Selbst wenn der Fluss seinem natürlichen Verlauf folgen kann, sind die Ufer oft nicht für Bruthöhlen geeignet. Durch einen starken Bewuchs von Pflanzen wird das Graben von Bruthöhlen erschwert und Beutegreifer können den Nachwuchs leichter erreichen. Hierbei ist vor allem der Staudenknöterich eine problematische Pflanze, denn sie ist invasiv und verbreitet sich schnell an Steilwänden. Auch wenn es zu einem Erdabrutsch kommt und sich am Boden ein Anlauf bildet, wird die Sicherheit der Bruthöhle gefährdet. Solche qualitätseinschränkenden Einflüsse können durch gezielte Eingriffe des Menschen gemildert werden.

Eine solche Maßnahmen hat die Natur- und Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich im Rahmen des Projekts „Biodiversität im Alpen Karpaten Fluss Korridor“ im Auftrag der Nationalpark Donau-Auen GmbH umgesetzt. Dabei wird ein wertvoller Beitrag zum Erhalt des Eisvogelbestandes geleistet, damit sich Österreich auch weiterhin an dem atemberaubenden Vogel erfreuen kann. Die Maßnahme wird im Rahmen des Biodiversitätsfonds, finanziert durch das BMK, durchgeführt.

Der Alpen Karpaten Korridor

Die Naturräume der Alpen und Karpaten sind Hotspots der Biodiversität. Zwischen ihnen liegt allerdings eine stark durch den Menschen veränderte Landschaft – der Alpen Karpaten Korridor. Straßen, Siedlungsgebiete und intensiv genutzte Fluss- und Agrarlandschaften prägen das Bild. Die sich dort befindenden Ballungsräume von Wien und Bratislava zählen zu den am stärksten wachsenden in Europa.

Der Alpen Karpaten Korridor stellt aber gleichzeitig einen der wichtigsten ökologischen Korridore in Europa dar. Schutzgebiete, wie der Nationalpark Donau-Auen, dienen vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten als letzte Rückzugsräume in einer stark veränderten Umwelt. Aber auch außerhalb von Schutzgebieten dienen natürliche Auwaldreste, Wiesen und Flüsse als sogenannte Trittsteinbiotope. Diese sind vor allem für den Austausch und die Wanderung zwischen den Lebensräumen wichtig. Aufgrund der Zerstücklung der Landschaft wird die Konnektivität zwischen noch vorhandenen Refugien und Trittsteinbiotopen allerdings stark beeinträchtigt und führt, im schlimmsten Fall, zur Isolierung und dem Verschwinden von gefährdeten Lebensräumen und ihren Arten.

Um die ökologische Korridorfunktion des Alpen Karpaten Korridor zu stärken, gab es in der Vergangenheit bereits Bemühungen, Verbindungen zwischen Lebensräumen zu verbessern. Der Fokus lag hier auf der Errichtung von Grüner Infrastruktur, wie Wildtierbrücken, und der Verbesserung bzw. Wiederherstellung des Flusskontinuums der Zubringerflüsse zur Donau.

Das Projekt „Biodiversität im Alpen Karpaten Korridor“ hat zum Ziel, die Durchgängigkeit der Landschaft weiter zu steigern, bestehende natürliche Refugien zu stärken und degradierte Lebensräume auch außerhalb von Schutzgebieten wiederherzustellen.

Im Rahmen des Interreg Projektes „Alpen Karpaten Fluss Korridor“ kam es zu einem Uferrückbau an der Schwechat, welcher nicht nur Eisvögel, sondern auch verschiedene Fisch- und Reptilienarten begünstigen soll. Der Teil, welcher renaturiert wurde, liegt in Traiskirchen und war durch Blockwurf stark begradigt und somit ungeeignet als Lebensraum. Aufgrund der gesetzten Maßnahmen ist es der Schwechat nun möglich, in diesem Bereich zu mäandrieren, wodurch Flachwasserbereiche und Steilwände entstehen können. Um die Qualität dieser Steilwände anzuheben, wurden nun im Rahmen des Projektes „Biodiversität im Alpen Karpaten Korridor“ vier Wände im Februar 2025 begradigt, um passende Brutwände für Eisvögel zu schaffen.

Optimierung der Brutwände

Dass eine Steilwand ungeeignet für die Brut des Eisvogels wird, ergibt sich aus einem Zusammenspiel einiger Einflüsse. Bewuchs der Wand erschwert das Graben, da Wurzeln und oberirdische Pflanzenteile die Wand verdecken und die Erde schwerer zu durchbrechen ist. Überhängendes Gestrüpp und Äste verhindern den Zugang zu den Bruthöhlen. Um den Nachwuchs vor Fressfeinden zu schützen, gräbt der Eisvogel seine Bruthöhle mindestens einen Meter über dem Wasserpegel und 50 Zentimeter unter der Steilwandoberkante. Durch Änderung des Wasserpegels, Unterspülung, Frost und Erdrutsch können diese Anforderungen nicht mehr eingehalten werden. Wenn der Zustand der Wand durch solche Ereignisse ungenügend wird, kann behutsam eingegriffen werden.

Im Fall des Projekts der Brutwandherstellung entlang der Schwechat kam es 2020 zu einer Renaturierung in Traiskirchen. Da dieses Vorhaben erst von fünf Jahren vollendet wurde, war der Einfluss der Schwechat auf die Landschaft noch nicht groß genug, um eine optimale Steilwand zu kreieren. Um zu eruieren, welche Stellen entlang des Flusses am geeignetsten sind, wurde das Gebiet zuerst abgegangen und anschließend vier Steilwände ausgesucht, welche sich für händische Nachbearbeitungen eigneten. Ein wichtiges Kriterium dabei ist die Zusammensetzung des Bodenmaterials. Eine lehmig-sandige Erde mit nur wenig bis gar keinen Steinen ist für die Grabaktivitäten des Eisvogels ideal. Nicht nur die Qualität, sondern auch die Zugänglichkeit spielt eine Rolle. Obwohl die Wand bei tiefem Wasserstand mit einem Schlauchboot erreichbar ist, erleichtert es die Arbeit, wenn die Möglichkeit besteht, die Maßnahme z.B. bei Niedrigwasser vom seichten Wasser oder von der oberen Geländekante aus abschließen zu können. Das Begradigen der Wände ist kein komplizierter Eingriff. Nach Entfernen des groben Bewuchses wird mit dem Abschlagen der Wand begonnen. Hierbei wird meist mit einem Spaten oder einer Schaufel gearbeitet.

Wenn eine solche Aktion durchgeführt wird, muss diese unter allen Umständen im Winterhalbjahr passieren, während sich der Eisvogel in sein Winterrevier zurückzieht, da der Eisvogel bereits bei minimaler Störung verängstigt wird. Eine Störung während der Brutzeit ist unbedingt zu vermeiden.

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Vorher-Nachher-Vergleich der verbesserten Steilwände in Traiskirchen

Aurel Ruppert, Christina Nagl

Gesetzliche Grundlagen

Das Leben des Eisvogels ist nicht einfach und besteht aus sehr viel Bewegung. Im Frühjahr muss er sich in seinem Revier behaupten, während der Brutsaison muss sich das Paar dauerhaft um den Nachwuchs kümmern und nach Abschluss der Brut beginnt die kalte Jahreszeit, wodurch die Nahrung knapper wird bzw. die Nahrungserreichbarkeit schwieriger wird. Wenn der Eisvogel sich zwischendurch eine Auszeit nimmt, sollte er diese auch genießen können. Die Beobachtung sollte also aus der Ferne und so kurz wie möglich erfolgen.

Bei der Herstellung einer Brutwand liegt jedoch nicht nur das Vermeiden einer Störung im Vordergrund, auch die gesetzlichen und fachlichen Rahmenbedingungen müssen erfüllt sein. Genehmigungen müssen von der zuständigen Naturschutzbehörde, Wasserbehörde und dem/der Grundstückseigentümer:innen eingeholt werden. Je nach Größe und Aufwand des Projekts kann ein Monitoring und die Pflege der Wand oder weitere Dokumente verlangt werden. Expert:innen sollten ebenfalls herangezogen werden, um sicherzustellen, dass das Vorhaben seinen Sinn erfüllt und den Lebensraum anderer Tierarten nicht gefährdet.

Dieser Beitrag und die mediale Begleitung wurde im Rahmen des Medienprojekts von der Einsatzstelle BirdLife Österreich und dem Teilnehmer des FUJ (Jugend-Umwelt-Plattform JUMP) Aurel Ruppert umgesetzt.