„Urban Birding“ in Wien

Lebensraum Großstadt und ihre gefiederten Bewohner

Katharina Loupal

Großstädte sind nicht nur für Menschen Lebensraum und Arbeitsplatz zugleich, sondern bieten auch vielen Vogelarten eine Heimat. Die Großstadt Wien zählt auf ihrer Fläche von 415 km2 etwa 120 Brutvogelarten, was auf die Vielzahl an abwechslungsreichen Lebensräumen zurückzuführen ist. Aber die Bundeshauptstadt hat nicht nur als Brutplatz, sondern auch als Überwinterungsgebiet für einige Vogelarten, wie Saatkrähen oder verschiedenste Möwenarten (vor allem Lach-, Sturm- und Mittelmeermöwen) große Bedeutung. 

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Aufwind für seltene Großstadtvögel 

Wien hat für Vogelliebhaber jede Menge zu bieten. Besonders Vögel, die als „Kulturfolger“ bezeichnet werden, nutzen menschliche Bauwerke zur Jungenaufzucht. So beherbergt Wien etwa ein Fünftel des gesamten Österreichischen Bestands des Mauerseglers. Zu den neuen Brutvögeln für das Wiener Stadtgebiet können auch durchwegs seltene Arten wie Schwarzstorch, Wiedehopf und Zaunammer genannt werden. Weitere Vogelarten sind zumindest in manchen Jahren mit Bruten vertreten oder zumindest brutverdächtig, z.B. Reiherente, Rohrweihe, Kiebitz, Braunkehlchen, Trauerschnäpper, Kolkrabe, Gimpel. 

Verschwindende Stadtbewohner 

Aus der Großstadt schwinden vor allem jene Vogelarten, die auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ihre Nester errichten. Diese „Kulturlandschaftsvögel“ sind europaweit rückläufig, da die Intensivierung der Landwirtschaft sie zusehends in Bedrängnis bringt: Der massive Rückgang an Insekten und Verlust an Brutplätzen sind Hauptursachen für ihren Rückgang. Die Grauammer ist in Wien vermutlich bereits komplett verschwunden, das Rebhuhn ist nur noch sehr vereinzelt auf den wenigen extensiver genutzten Flächen am Stadtrand zu finden.

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Wiener Hotspots zur Vogelbeobachtung

Mitten in der Stadt gibt es einige Gebiete, die leicht öffentlich erreichbar sind und deshalb zum „Mekka“ für Vogelbeobachter und Fotografen wurden: Als „Klassiker“ gelten die Graureiherbrutkolonie im Wasserpark, die Donauinsel mit ihrer hohen Nachtigallendichte oder die Beobachtungsplätze am Wiener Zentralfriedhof. Auch der Wienerwald, die Lobau oder die Weinbaugebiete im Süden und Westen eignen sich hervorragend. Wer also mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt geht, wird hier viel mehr beobachten können, als man auf den ersten Blick vielleicht vermuten mag.

Neugierig geworden? 

Dann besuchen Sie eine BirdLife-Exkursion in Ihrer Nähe oder lernen Sie die Vogelarten im Selbststudium näher kennen.