Jahresvogel 2020: Turteltaube

Gefiederter Liebesbote im freien Fall!

Katharina Loupal

Die Turteltaube (Streptopelia turtur) wurde von BirdLife Österreich (in Kooperation mit seinem deutschen Partner NABU und seinem bayerischen Partner LBV) zum Vogel des Jahres 2020 gekürt. Damit folgt auf der Feldlerche, Vogel des Jahres 2019, erneut ein Vogel der Agrarlandschaft. Die Turteltaube wurde in unserem Sprachgebrauch zu einem Symbol für Liebe und Hingabe. Es ist höchste Zeit, dass auch ihr diese zuteilwerden, denn ihre Lebensumstände sind wenig romantisch.

EU-weiter Sorgenvogel

Der Bestand der Turteltaube ist seit den 1970er Jahren in den meisten europäischen Ländern rückläufig: In den letzten 20 Jahren hat er um 79% abgenommen. Mit minus 90% in Deutschland und minus 94% in Großbritannien befindet sich die Turteltaube im freien Fall. 

Auch in Österreich hat sich der Bestand der Turteltaube seit 1998 um nahezu zwei Drittel reduziert. Aktuell brüten in Österreich nur noch rund 10.000 Brutpaare. Für den Vogelschutz hat die Turteltaube daher höchste Priorität, wie BirdLife Österreich in einer aktuellen Studie festhält.

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Nahrungs- und Lebensraumprobleme

Die Industrialisierung der Landwirtschaft ist der größte Gefährdungsfaktor der Turteltaube, denn die Ausweitung von Anbauflächen geht mit einem Verlust von ihren Nistplätzen sowie Nahrungs- und Trinkmöglichkeiten einher.

Um der Turteltaube eine Überlebenschance zu geben, ist vor allem die Politik gefragt: Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) muss naturverträglich werden. Agrarumweltmaßnahmen (wie der Erhalt artenreicher Brachflächen, Feldgehölze und Kleingewässer, sowie Pestizideinschränkungen) müssen ausreichend finanziert werden.

Turteltaube unter Beschuss

Turteltauben sind die einzigen Langstreckenzieher unter den Taubenarten Mitteleuropas. Sie verlassen Europa zwischen Ende Juli und Anfang Oktober, um in der Sahelzone zu überwintern, und kehren ab Ende April wieder in ihre europäischen Brutgebiete zurück. 

Auf der Zugroute werden Turteltauben gnadenlos gejagt: Allein auf den Ionischen Inseln (Griechenland) werden am Durchzug rund 70.000 Tiere jährlich getötet. Damit ist die Taube besonders auf internationalen Schutz angewiesen.

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