Vogel des Jahres 2012: Die Dohle
 
Die Dohle (Corvus monedula) wurde von BirdLife Österreich sowie den Partnerorganisationen Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern zum "Vogel des Jahres 2012" gekürt. Der früher weit verbreitete Steppenvogel ist auch in Österreich vielerorts selten geworden. Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit an Dörfer und Städte findet sich die Dohle auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten. Die Intensivierung der Landwirtschaft, die hohe Pestizidbelastung und fehlende Brutmöglichkeiten lassen die Bestände schwinden.

Dohlen (c) NABU/M. Vollborn
Foto: NABU/M. Vollborn

Brutplätze: Altbaumbestände und Nischen in hohen Gebäuden
"Als Höhlen- und Nischenbrüter nutzte der schwarz gefiederte Vogel mit den silber-blauen Augen ursprünglich Fels- und Lehmwände. Auch Astlöcher oder verlassene Schwarzspechthöhlen wären geeignete Nistplätze, die es in dieser Form nur noch selten gibt", so Gerald Pfiffinger von BirdLife Österreich. Zum Rückgang tragen aktuell auch viele Gebäudesanierungen bei, die zwar wichtigen Energiesparzielen dienen, den Dohlen wie auch anderen Gebäudebrütern jedoch Brutplätze in Nischen, Mauerlöchern und Dachstühlen versperren.
Als Kulturfolger hatte sich der Brutvogel in der menschlichen Nachbarschaft gut eingerichtet: Hohe Gebäude wie alte Kirchtürme oder Industriekamine boten vorzüglichen Unterschlupf sowie Weiden, Felder und Wiesen einen reich gedeckten Tisch mit Käfern, Heuschrecken, Würmern und Schnecken. Für die Landwirtschaft waren die Dohlen nützliche Helfer bei der biologischen Schädlingsbekämpfung. "Mit dem Verlust von Extensivgrünland und dem starken Einsatz von Pestiziden in der intensiven, großflächigen Landwirtschaft, geht der Dohle heute zunehmend die Nahrung aus", zeigt sich der Vogelexperte besorgt.

Dohlenbestand in Österreich: geschätzte 3600 - 4600 Brutpaare
Mit dem Vogel des Jahres 2012 wollen die Natur- und Vogelschutzorganisationen nicht nur auf seinen stark rückläufigen Bestand und schwindenden Lebensraum aufmerksam machen. Pfiffinger: "Im Jahr der Dohle wollen wir aufzeigen, wie mit geringen Mitteln Lebensräume erhalten aber auch neu geschaffen werden können".

Altbaumbestände schützen und Nistkästen anbringen
Es gilt naturnahe Altholzbestände und "Höhlenbäume" zu schützen. Auch alte Parkbäume in Städten und Siedlungsräumen können diese Funktion erfüllen und dürfen nicht einer übervorsichtigen Verkehrssicherung oder Baumsanierungen zum Opfer fallen. Schornsteine, die noch in Betrieb sind, kann man mit Schutzgittern oder Abdeckungen vor einer Verstopfung durch Nistmaterial bewahren. Gleichzeitig kann man andernorts den Vögeln mit speziellen Dohlen-Nistkästen alternative Brutplätze anbieten.

Imagegewinn: Dohle kein Unglücksbote sondern intelligent, gesellig und lebenslang treu
Mit der Wahl der Dohle erhoffen sich BirdLife, NABU und der LBV auch eine Imagepolitur für den Vogel des Jahres 2012 – denn tatsächlich sind diese kleinsten Vertreter der Rabenvögel weder Unglücksboten noch Pechvögel, wie sie manchmal der Volksmund schmäht. Vielmehr beeindrucken Dohlen durch ihr hoch entwickeltes Familien- und Gesellschaftsleben. Schon der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz war fasziniert von den lernfähigen und intelligenten Dohlen mit ihrem geselligen wie geordneten Kolonieleben. "Dohlenpaare sind sich ihr Leben lang treu und auch in der fürsorglichen Beziehung zu ihrem Nachwuchs sind sie keine Raben- sondern wahre Vorzeigeeltern", betont Gerald Pfiffinger die Besonderheiten des Vogels des Jahres 2012.



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