Vogel des Jahres 2010: Der Kormoran
 
BirdLife Österreich hat den Kormoran zum Vogel des Jahres 2010 gewählt. Die Wahl soll deutlich machen, dass sich BirdLife offensiv für den Schutz des Kormorans einsetzt. Der Fisch fressende schwarze Vogel mit den edelsteingrünen Augen wird wieder gejagt und vertrieben – obwohl er erst vor wenigen Jahren an die heimischen Gewässer zurückgekehrt ist.

Kormorane
Foto: Archiv BirdLife

Jahrzehntelang war der Kormoran (Phalacrocorax carbo) hierzulande fast verschwunden - das Ergebnis intensiver Verfolgung. Erst der konsequente Schutz durch die EU-Vogelschutzrichtlinie (1979) brachte eine Erholung der Kormoranbestände. In Österreich überwintern 4.000 bis 4.500 Tiere, wobei 60 Prozent entlang der Donau zu finden sind.  überwintern hier maximal 4000 bis 5000 Tiere. „Die Rückkehr des Kormorans ist ein Erfolg für den Vogelschutz, auf den wir stolz sein können“, sagt Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. „Kormorane sind ein natürlicher Bestandteil unserer Gewässer. Wir stellen uns klar gegen die zunehmende Verfolgung. Jedes Jahr werden in Österreich wieder hunderte Kormorane abgeschossen, die Dunkelziffer dürfte noch viel höher sein.“

Gegen Abschuss während Brutzeit
Seit einigen Jahren darf der Kormoran per Verordnung in verschiedenen Bundesländern wieder abgeschossen werden, selbst in Naturschutzgebieten und teilweise sogar ausdrücklich während der Brutzeit. Dagegen hat BirdLife bereits mehrfach protestiert. Erst im Juli dieses Jahres wurde gemeinsam mit der Naturschutzanwaltschaft Vorarlberg dagegen Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof eingereicht.

Berufsfischer und Angler versuchten, so BirdLife, die Vertreter von Politik und Behörden von angeblich massiven wirtschaftlichen Schäden und der Bedrohung einzelner Fischarten durch den Vogel zu überzeugen. Pfiffinger: „Kormorane vernichten keine natürlichen Fischbestände und gefährden langfristig auch keine Fischarten. Vielmehr kommt es darauf an, sich für die ökologische Verbesserung unserer Gewässer einzusetzen – damit alle Fische und Wasservögel Raum zum Leben haben.“ So hat eine Studie über die Äsche an 14 österreichischen Gewässern gezeigt, dass fehlende Lebensraumsstrukturen, Besatz und Konkurrenz mit anderen Arten diese Art bedroht.

Die 80 bis 100 Zentimeter großen und zwischen zwei bis drei Kilo schweren Vögel fangen bevorzugt Fische, die sie ohne großen Aufwand erbeuten können – sie sind Nahrungsopportunisten. Darum stehen vor allem häufige und wirtschaftlich unbedeutende „Weißfische“ wie Rotaugen, Brachsen und andere Kleinfische auf ihrem Speiseplan, die besonders in nährstoffreichen Gewässern in großen Mengen vorkommen. „Edelfische“ wie Felchen oder Äschen machen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge nur geringe Anteile ihrer Nahrung aus.

BirdLife Österrich lehnt daher eine flächendeckende Regulierung der Kormoranbestände grundsätzlich ab. Zeitgemäßer sei die Schaffung von Ruhezonen. So werden die Wasservögel an Orte gelenkt, an denen sie sich von reichhaltigen Fischbeständen ernähren können, etwa größere Stillgewässer und Flüsse. Das verringert den Druck auf Fischzuchtanlagen oder die Rückzugsräume seltener Fischarten. An Fischzuchtanlagen bzw. in Zentren der Teichwirtschaft können gebietsweise Probleme durch den Kormoran auftreten. Dort müssen gemeinsam vor Ort Lösungen gefunden werden, wirtschaftliche Schäden durch Kormorane zu verhindern, ohne den natürlichen Bestand der Vogelart erneut zu gefährden, möglichst „ohne wieder in mittelalterliche Zeiten der Verfolgung von nicht genehmen Arten zu fallen“, so Pfiffinger.

Spitzentaucher
Der Kormoran, dessen grüne Augen an Edelsteine erinnern, ist ein Meistertaucher. Bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief kann er tauchen. Sein mit Wasser vollgesogenes Gefieder lässt er von Wind und Sonne trocknen – ein einzigartiges Verhalten in der Vogelwelt. Dazu breitet er die Flügel in der charakteristischen Haltung auf einem Ruheplatz aus. Abgesehen von Südamerika ist der Kormoran in allen Erdteilen zu Hause.



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