Vogel des Jahres 2000: Der Milan
 
Sie entdecken am Himmel einen etwa bussardgroßen Greifvogel, der einen sehr eleganten Eindruck macht. Auffällig sind seine langen, schmalen Flügel und sein für einen Greifvogel langer Stoß, der gekerbt ist. So haben Sie einen der seltesten Greifvögel Österreichs vor Augen, einen Milan. Jetzt bleibt noch zu klären, ob es sich um einen Schwarz- oder Rotmilan handelt, denn es kommen beide Arten in Österreich vor.

Rotmilan. Foto: R. Kreinz

Rotmilan
Eindeutige Kennzeichen: vorwiegend rostrote Färbung mit hellem Diagonalband auf den oberen Armdecken und kontrastreichen weißen "Fenstern" auf der Handflügelunterseite, wichtig ist der tief gegabelte, rostfarbene Stoß.
Stimme: am Brutplatz ausgesprochen jammernd "wiii-uuh, ii uu ii", auch ein weich miauender Ruf , schwächer als beim Mäusebussard.

Schwarzmilan. Foto: A. Thaler

Schwarzmilan
Eindeutige Kennzeichen: dunklere braune Färbung mit hellem Diagonalband auf den oberen Armdecken, wichtig ist der schwach gekerbte dunkle Stoß
Stimme: vibrierendes "küi i i i i ", außerdem bussardartiges Miauen


Lebensraum
die halboffene, abwechslungsreiche Kulturlandschaft und Auen; in Österreich kommen beide Arten fast ausschließlich in Auwäldern vor. Zur Nahrungssuche sieht man sie aber gelegentlich auf Äckern der Umgebung, aber auch an Mülldeponien. Da beide Milane Aasfresser sind, sind sie unter anderem durch illegale Vergiftungsaktionen, die im Winter gezielt gegen Greifvögel durchgeführt werden, gefährdet.

Der Schwarzmilan ist in der Alten Welt von Afrika über Eurasien bis Australien weit verbreitet. In Europa nimmt er aber insgesamt in seinem Bestand ab. Das Vorkommen in Österreich ist räumlich deutlich zweigeteilt: Eine Population bewohnt im Westen das Vorarlberger Rheintal und den anschließenden Walgau, die zweite ist im Osten in den Auwäldern von Donau, March und Thaya in Nieder- und Oberösterreich beheimatet, vereinzelt brütet er auch an anderen Donau-Zubringern wie der Traun. Der Schwerpunkt liegt aber unterhalb Wiens, v.a. im Nationalpark Donau-Auen und an der March. BirdLife sind in Österreich etwa 60 Paare des Schwarzmilans bekannt. Vor allem an der Donau kam es zu starken Rückgängen, wobei besonders beunruhigend ist, daß es für die Ursachen der Rückgänge noch keine genauen Erklärungen gibt. Der Schwarzmilan gilt als stark gefährdet.

Noch schlimmer steht es um den Rotmilan, denn er ist vom Ausstreben bedroht. Er ist ein echter Europäer: abgesehen von wenigen Paaren in Marokko ist die gesamte Weltpopulation auf Europa beschränkt, vor allem auf Deutschland und Frankreich. Seit dem 19. Jahrhundert waren seine Bestände stark rückläufig, etwa um die Jahrhundertwende verschwand er als regelmäßiger Brutvogel aus Österreich. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten kam es in Teilen Europas zu einer Erholung der Bestände, was dazu führte, daß seit den 1980er Jahren wieder wenige Paare in Österreich brüten. Es gelingt ihnen aber nicht recht, bei uns Fuß zu fassen. Es wurden zuletzt nur 2-3 Paare in den Auen von Thaya, March und Donau im östlichen Niederösterreich gezählt.

Die Milane benötigen speziell in Österreich Unterstützung. Die ungeklärten Ursachen der Bestandesrückgänge beim Schwarzmilan und die unbeständigen Ansiedelung des Rotmilans haben zur Ernennung zum Vogel des Jahres 2000 geführt. BirdLife wird im Jahr 2000 kräftig auf das Schicksal dieser beider Arten aufmerksam machen.



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