Tirols letzte Braunkehlchen

Wiesenvogelbeauftragte kämpfen um Tirols letzte Braunkehlchen!

Katharina Loupal

Schon lange zählt das Braunkehlchen in Tirol zu den stark gefährdeten Vogelarten. Gemeinsam mit BirdLife setzt sich das Land Tirol für den Erhalt der letzten Populationen des kleinen unscheinbaren Wiesenvogels ein. In den letzten, für Mitteleuropa einzigartigen Braunkehlchen-Gebieten mit bis zu 100 Brutpaaren sind seit 2015 Wiesenvogelbeauftragte aktiv. Eine spezielle Förderung im Rahmen des ÖPUL (Österreichisches Programm für eine umweltgerechte Landwirtschaft) unterstützt Maßnahmen in der Bewirtschaftung zum Schutz von Wiesenvögeln und zur Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaft. 

Odoo image and text block

Negativtrend der Feldvögel

Seit den 1970er Jahren sind starke Rückgänge der Braunkehlchen-Bestände zu verzeichnen. Früher in ganz Tirol weit verbreitet, sind heute nur noch im Oberen Gericht, Außerfern und in Osttirol nennenswerte Populationen erhalten. Tirol ist in Bezug auf die Vögel der mitteleuropäischen Kulturlandschaft aber keine Ausnahme. Seit Jahren ist ein Negativtrend bei den häufigen Vogelarten der Kulturlandschaft zu verzeichnen: 42% der Bestände von Braunkehlchen, Feldlerche, Wachtel und anderen bodenbrütenden Vogelarten sind seit 1998 verschwunden.

Vogelfreundliche Bewirtschaftung

Schutzgebiete und gesetzliche Regelungen alleine reichen für die Erhaltung der Artenvielfalt und für die Bestandssicherung der Wiesenvögel nicht aus. Beim Erhalt der Lebensräume spielt auch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung eine wesentliche Rolle. 

Bäuerinnen und Bauern, die Felder in den Brutgebieten von Wiesenvögeln bewirtschaften, können eine Förderung in Anspruch nehmen, wenn sie sich dafür entscheiden, die Felder später zu mähen oder andere Maßnahmen zum Vogelschutz zu setzen. 

Odoo text and image block

Die Wiesenvogelbeauftragte kontaktieren die Landwirte in diesen Gebieten persönlich, klären über die Situation des Braunkehlchens und anderer Wiesenvögel sowie mögliche Fördermaßnahmen auf und helfen bei der Abwicklung. Das Braunkehlchen gilt als Schirmart für die artenreiche Kulturlandschaft. Wie viele andere, gefährdete Kulturlandschaftsvögel ist es auf extensiv genutzte Wiesen, Feldstadel, kleine Gebüsche und nicht genutzte Randstrukturen angewiesen. Heute finden Bodenbrüter wie Feldlerche, Braunkehlchen oder Wachtel vielfach keine angemessenen Lebensbedingungen mehr vor. Das soll geändert werden, denn Bewusstseinsbildung und Anreize für eine spätere Mahd, vermehrte Wiesenraine und Landschaftselemente können den Bestand der Wiesenvögel nachhaltig sichern.